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Im Gegensatz zu It alo Disco lässt sich Euro Disco wesentlich schwieriger definieren. Bei Italo ist das sehr einfach zu sagen: tanzbare Discomusik, die von Italienern geschrieben wurde - Punkt, aus, basta! Bei Euro Disco scheiden sich da schon eher die Geister. Nicht alles, was um 120 BPM zum Tanzen anregt und von europäischen Komponisten stammt, ist automatisch Euro Disco. Vielleicht lässt sich der Begriff Euro Disco ja besser eingrenzen, wenn man die Entwicklung dieser Musik genauer unter die Lupe nimmt: Die Wurzeln von Euro Disco liegen, wie bei Italo, in den frühen 80ern. Ausschlaggebend für den "neuen Sound" war sicherlich Dieter Bohlen's Projekt "MODERN TALKING". Dieter läßt schließlich keine Gelegenheit aus, immer wieder darauf hinzuweisen, dass ER es war, der 1984 mit "You're My Heart, You're My Soul" einen völlig neuen Sound kreiert habe, der dann von “allen” anderen abgekupfert wurde. So ganz unrecht hat er damit sicher nicht. Bohlen wurde sehr wahrscheinlich vom Italo-Sound inspiriert, als er YMHYMS komponierte. Er verpasste dem Sound aber einen ganz anderen "Schliff". Tatsächlich kann man den "Bohlen-Sound" als die Geburtsstunde von Euro Disco ansehen. Bis dato gab es schließlich außer Italo nichts europäisches, dass die Leute zum Tanzen anregte - sieht man mal vom Brit-Pop aus Großbritannien ab; wobei die britische Musik sich bis heute vom typischen Euro-Sound abhebt und somit nicht unter die Kategorie Euro Disco fällt. Zurück zur Entwicklung von Euro Disco: Ermutigt durch den Riesenerfolg von MODERN TALKING leuchteten plötzlich immer mehr Stars und Sternchen am Discohimmel. Die offensichtlichste Kopie des Bohlen-Sounds war sicherlich die kölner Gruppe BAD BOYS BLUE, die mit ihrem Titel "You're A Woman, I'm A Man" ihr Debüt gaben. Die Formation JOY bewies mit "Touch By Touch", dass man auch in Österreich vom Bohlen-Sound gehört hat, während in Deutschland SILENT CIRCLE eindrucksvoll bewiesen, dass man auch ohne "direktes" Kopieren auf der neuen Welle mitschwimmen konnte. Einen anderen musikalischen Weg ging MICHAEL CRETU, der 1985 mit "Samurai" die Charts eroberte. Wesentlich mehr Erfolg hatte Cretu allerdings als Songwriter für seine spätere Ehefrau SANDRA. "Maria Magdalena" erreichte nicht nur in den deutschen Charts Spitzenpositionen. Sandra, die vor ihrer Solokarriere in der Mädchengruppe ARABESQE mitgesungen hatte, war neben Modern Talking die erfolgreichste Vertreterin der Euro-Disco-Acts. Beleuchtet man die Euro-Disco-Szene etwas genauer, fällt auf, dass die meisten "typischen" Euro- Disco-Titel aus deutscher Feder stammen. Dieter Bohlen & Co bewiesen damit eindrucksvoll, dass es auch in Deutschland eine Musikszene gibt, die international Fuß fassen kann. Viele der damaligen Euro-Disco-Acts feierten tatsächlich Riesenerfolge auf der ganzen Welt. Nur die Amerikaner sind und waren ein musikalisches Volk für sich. Sicher, es gibt in den USA einige Euro- bzw. Italo-Fans; aber der breiten Masse bleibt diese einzigartige Musik bis heute verborgen. Euro Disco erlitt Ende am 80er das gleiche Schicksal, wie Italo : die AICID- und House-Welle drängte den Euro-Sound in den Hintergrund.
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